Rund ums Walberla

Wenn man behauptet, das Leutenbacher Tal gehöre zu den schönsten der Fränkischen Schweiz, wird man ganz sicher keine Gegenrede hören. Hier plätschert der Ehrenbach, der dem unumstrittenen Star unter den Bergen in Nordbayern seinen Namen gibt: Die Ehrenbürg, gerne auch das Walberla genannt.
Wenn das Walberla umrundet wird, zeigt es aus jeder Richtung seine schönste Seite. Es kann gar nicht anders. Schließlich kann man nicht ohne Grund zum Star werden. Da muss man schon etwas bieten. Ein etwas schrofferes, felsiges Gesicht wird Schlaifhausen und Wiesenthau entgegengestreckt, Kirchehrenbach und Leutenbach zeigt der Berg sein sanfteres, waldigeres Antlitz. Obenauf, neben der Walburgis – Kapelle, springen Gleitschirmflieger ab und sprenkeln den blauen Himmel mit farbenfrohen Schirmen. Dem Wanderer, der, wenn er nicht motorgetrieben den Parplatz knapp unterhalb des Gipfelplateaus angesteuert hat, durchgeschwitzt oben ankommt, bietet sich rundum eine grandiose Fernsicht. An guten Tagen rückt Bamberg ins Blickfeld. Forchheim scheint zum Greifen nah, auch Erlangen. Und Anfang Mai findet dort oben eines der schönsten Volksfeste der Welt statt. Das Walberlafest ist völlig zu Recht berühmt.
Das Walberla ist das Herz der Fränkischen Schweiz.
Bin ich in der Fränkischen Schweiz, wohne ich in Leutenbach. Hier gefällt mir die Wohnung besonders gut. Aber nicht nur das: Leutenbach ist ein toller Ausgangspunkt für Wanderungen. Der Ort klebt am Fuß des Walberlas. Oder richtiger: Am Fuß der Ehrenbürg. Und das ist ein Berg. Betrachtet man nur die Ausmaße, ist es tatsächlich kein eindrucksvoller Berg. Die Südkuppe, Rodenstein genannt, ist mit 531,7 Metern der höchste Punkt. Die Nordkuppe (das eigentliche Walberla) kommt mal gerade auf 513,9 Meter. Aber eines kann ich sagen: Laufen sie doch einfach mal in Leutenbach los, wählen sie den Aufstieg über die Kirchehrenbach – Seite und erzählen sie mir dann, wenn sie oben bei der Walberla – Kapelle angekommen sind, ob das ein Berg ist oder nicht.
Jetzt mal Butter bei die Fische: Den erfahrenen Alpinisten wird der Aufstieg kaum beeindrucken. Ich bin aber kein Alpinist. Mir genügt das Mittelgebirge. Ich lebe in der norddeutschen Tiefebene.
Wenn ich oben ankomme, zerreißt es mir die Lunge. Die Aussicht ist großartig, reicht in unermeßliche Weiten.
Walberla-2
Das Walberla ist aber nicht nur obanauf eine Sensation. Eine Umrundung auf sehr bequemen Wegen ist purer Genuss. Aussichtsreich. Bei richtig schönem Wetter habe ich schon mal fast 7 Stunden für die knapp 10 km lange Runde benötigt. Es gibt nämlich sehr viele Streuobstwiesen, die geradezu hinausbrüllen, was sie für tolle Rastplätze sind. Hier kann man so schön in der Sonne liegen und dösen wie kaum an einem anderen Ort.
Wenn man in Leutenbach wohnt, ist das Walberla aber selbstverständlich nicht die einzige Richtung, in die man gehen kann. Gegenüber geht es hinauf nach Hetzelsdorf. Von dort geht man noch etwas weiter hinauf und steht dann über dem Trubachtal. Und hier breitet sich das Herz der Fränkischen Schweiz vor einem aus. In jeder Richtung reihen sich Naturschätze aneinander, und wäre die eigene Kondition keine natürliche Grenze, würde man tagelang weiter wandern wollen. Über Berge in die reizvollsten Täler. Schroffe Felsen aus Dolomitgestein, Burgruinen, Höhlen, reizvolle Dörfer. Eine unwiderstehliche Mischung.
Auch entlang des Ehrenbaches kann man wandern, kommt dann über Mittel- nach Oberehrenbach und freut sich zunächst darüber, wie sanft und wenig kraftraubend die Höhenmeter bewältigt werden können. Doch nicht zu früh gefreut: am Ende wird geschnauft und geschimpft, das Gesicht läuft puterrot an, und ich schwöre mir wie immer: Ich werde mich fortan gesund ernähren, nie wieder Übergewicht mit mir herumtragen und an jedem zweiten Tag joggen.

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